Leipzig, 08.05.2018

Der achte Mai, der Tag der Befreiung.

Wie befreit Deutschland vom Faschismus ist, sieht mensch daran, dass in Leipzig dieser Tag dafür genutzt werden musste, darauf aufmerksam zu machen, dass in einem ehemaligen Außenlager des KZ Buchenwald gerade Faschist_innen ein Kampfsportzentrum betreiben sowie eine Rockergang ihr Trainingszentrum dort unterhält.

Hier, in der Kamenzer Straße 10/12 in Leipzig-Schönefeld, waren bis zu 5000 weibliche Häftlinge des KZ Buchenwald untergebracht, die unter unmenschlichen Bedingungen in den HASAG-Werken Zwangsarbeit verrichten mussten.
Im April 1945 wurde das Außenlager aufgelöst und die Häftlinge auf die sogenannten Todesmärsche gezwungen, wie viele dieses Martyrium überlebten, ist nicht bekannt.
Eine Gedenktafel, die 2009 aufgestellt worden war, ist bis heute sechsmal zerstört bzw. beschädigt worden.
Das „Imperium Fight Team“ um den bekannten, gewaltsuchenden Neonazi Benjamin Brinsa (Scenario LOK, Angriff auf Connewitz/2016, Wurzen 2017), trainiert mittlerweile auf dem Gelände, ebenso haben 2008 dort mindestens zwei Rechtsrockkonzerte stattgefunden.
Ein geplantes Neonazi-Festival Anfang 2018 konnte noch verhindert werden.

Zustände, die so nicht hinnehmbar sind? Durchaus.
Deshalb gab es an diesem Tag vor dem Gelände in der Kamenzer Straße 10/12 nicht nur eine Erinnerungsveranstaltung, sondern auch eine Kampfansage – wir werden euch diesen Ort nicht überlassen, ihr werdet nicht unbeobachtet und unbeschadet agieren können!
Organisator der Kundgebung war das Leipziger Ladenschlussbündnis (http://ladenschluss.blogsport.eu/), welches sich 2018 nach sechs Jahren Pause erneut gründete, um neonazistische Strukturen aufzudecken und zu bekämpfen.
Weitere Redebeiträge folgten von „Rassismus tötet“ (http://www.rassismus-toetet-leipzig.org/) und „the future is unwritten“ (https://www.unwritten-future.org/). Letztere haben ihren Beitrag auch auf dem Blog veröffentlicht, einfach mal reinlesen. Es ging um reaktionäre Männerbanden, um Patriachat und darum, dass im Kapitalismus die ersten beiden Faktoren ausschlaggebend bei der Machtverteilung sind. (Bis auf die Tatsache, dass wir alle Räte brauchen/wollen, fand ich ihn sehr gut.)
Auch mehrere geschichtsinteressierte Einzelpersonen hielten Redebeiträge zu den Hintergründen des Geländes, zu den HASAG-Werken und zum Versuch des Gedenkens, der regelmäßig sabotiert und erschwert wird.

Während wir (ungefähr 200 Aktivist_innen) uns gemeinsam versammelten, Transparente hielten, Fahnen wehten (Props an die Menschen mit den Israelflaggen!) und uns mittels Schautafeln informierten (Danke an die Menschen, die die Tafeln vorbereiteten!), hatten die Nazis nichts besseres zu tun, als uns abzufotografieren. Ein achtsamer Umgang in der Demo inklusive dauerhafter, gegenseitiger Hinweise half ein wenig dagegen, ein mulmiges Gefühl blieb jedoch.

Auch die Abreise verlief nicht unproblematisch, ganz „zufälligerweise“ geriet unser Lautsprecherwagen in eine „verdachtsunabhängige“ Verkehrskontrolle. Dadurch wurde die Grundlage für die erkennungsdienstliche Behandlung einer Person forciert. Hier zeigte sich mal wieder das eigentliche Gesicht und die Ideologie der Polizei Sachsen. (Und ihr könnt euch gerne weiterhin darüber beschweren, dass wir euch für „Roboter in Uniform ohne Meinung“ halten, solange ihr euch so positioniert, gilt: Auch das sind (uniformierte) Männerbünde, gegen die wir vorgehen!