Feminismus und Männerhass.

Feminist_innen hassen Männer.
Sie sind außerdem wahlweise ungefickt, hässlich, dumm, lesbisch oder beliebige weitere Abwertungen.
Klingt einfach, ist es für die Menschen, die das so nutzen, bestimmt auch. Aber auch Personen, die sich selbst als feministisch begreifen, werfen anderen Feminist_innen gerne mal (zu große) Radikalität, Männerhass und dadurch einen entstehenden Schaden am Feminismus vor.
Gerade gut zu sehen bei der #MenAreTrash Diskussion.

Fluff, 2018.




Die große Frage, die sich mir stellt, ist: Muss Feminismus bequem sein? Muss Feminismus nett zu strukturellen Täter_innen sein? Ist es notwendig, von Frauen und fälschlicherweise als Frauen bezeichneten Menschen, zu erwarten, dass sie dauerhaft ruhig und lieb und freundlich sind?
Niemals Frust ablassen, sei es auch nur als Hashtag? Okay, das sind mehrere Fragen. Mal sehen, ob ich sie beantwortet bekomme.

Erster Punkt. Männerhass.
Ich persönlich hasse ja keine Männer. Aber es macht mich manchmal unglaublich müde, mit ihnen über ihre Täterschaft zu diskutieren und ihnen zu erklären, warum ihr Verhalten gerade problematisch war. Gerade, wenn sie sich dann mit einem „Ich bin aber nicht so!“ versuchen zu verteidigen.

Fluff, 2018.

Dieser Anfang lag seit 2018 in meinem Entwürfeordner. Mittlerweile bin ich drei Jahre älter, gefühlt tausend Jahre müder und hasse immer noch keine (cis) Männer.

Ich vertraue ihnen aber auch nicht mehr. Ich bin müde geworden, ihnen zu erklären, warum Feminismus notwendig geworden ist. Ich bin hart geworden: Krieg den Arsch hoch oder lass es. Ich werde dich nicht mehr bitten. Kämpf mit mir oder lass es, aber ich werde dir den Arsch nicht mehr hinterher tragen.

(Das gleiche gilt mittlerweile für alle Menschen, nicht nur für cis Männer. Es gilt auch für cis Frauen und all jene, die meine Existenz als verhandelbar wahrnehmen.)

Ich hab mich deutlich theoretischer mit den Problematiken auseinandergesetzt als 2018 – und ich sage: Es ist mir egal, ob ihr denkt, ich würde (cis) Männer hassen. Wenn sich der Wunsch nach Gleichberechtigung, nach Menschenrechten anfühlt, als würde dir Hass entgegenschlagen, dann sei dem so.

Ich bin radikaler geworden, zynischer und härter. Und dieses Fragment zu finden – das tat ein bisschen weh. Ich war damals deutlich hoffnungsfroher. Tschüss, damaliges Fluff. Du kommst wohl nicht zurück.