„Wenn du geredet hättest Desdemona – ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“. Hier jetzt ein ungehaltener Krüppel. – Ein Gastbeitrag von CatInChief

4 Menschen sind gestorben. Eine Frau wurde verletzt.

Moment einmal?

„Gestorben“?

So, wie in: „nach langer Krankheit gestorben“?

Oder wie in „in hohem Alter lebenssatt gestorben“?

Oder wie in „durch einen Unfall gestorben“? Ein Erdbeben“?

Ist Jesus „gestorben“?

Friedlich, lebenssatt oder durch einen Unglücksfall?

Oder wurde er ans Kreuz geschlagen?

Durch Menschen?

Ermordet?

Starb er friedlich?

„Eli eli lama sabachtani“ schrie er.

Mein Gott.

Mein Gott.

Warum

Hast

Du

Mich

Verlassen.

Wer ist „gestorben“?

Sind nicht 4 Menschen ermordet worden und eine schwer verletzt?

Ermordet.

Bestialisch.

Quälend.

Eli

Eli

Lama

Sabachtani

Haben sie gewiss nicht gesagt.

Aber vielleicht geschrien. Vielleicht wollten sie schreien. Vielleicht haben sie gebetet. Vielleicht gejammert.

Mein Gott

Mein Gott

Warum

Hast

Du

Mich

Verlassen

Oder gestöhnt vor Qual. Sich geängstigt. In gottesferner Todesqual.

Überraschend ermordet.

Hinterrücks.

Unerwartet.

Von einer, die für sie zu sorgen versprach.

Die dafür ausgebildet war.

Dafür eingestellt.

Dafür bezahlt.

Einer wie uns. Die wir gerne auf „die geringsten Brüder und Schwestern unseres Herrn Jesus Christus“ herab sehen. Denn WIR sind ja die „Besseren“, die „nicht Geringen“.

Aber – sind sie nur „Geschwister“ und dann noch „geringste“?

Oder steht nicht der Gekreuzigte, der Leidende, der Schreiende

Eli

Eli

Laba

Sabachtani

Mein

Gott

Mein

Gott

Warum

Hast

Du

Mich

Verlassen

an ihrer Seite? An ihrem Bett? Leidend wie sie?

Und NEIN. Nicht der Auferstandene. Nicht der, den wir uns so gern malen. Der „im Himmel“ mit dem vergeistigten Leib. Oder dort, wo, wie ein Plakat sagte, „die Toten jetzt fliegen können wie die Engel.“

Es war Mord.

Es war Qual.

Es war Menschenferne.

Es war Gottesferne.

Eli

Eli

Laba

Sabachtani

Mein

Gott

Mein

Gott

Warum

Hast

Du

Mich

Verlassen

Und sie hauchten ihren Geist aus.

„Hauchten“? Haucht jemand, der mit dem Messer an der Kehle ermordet wird?

Haben sie nicht eher ihren „Geist ausgeröchelt“? Sind elend gestorben?

Sie starben nicht lebenssatt. Sie „hauchten“ nicht. So einfach dürfen wir uns das nicht machen mit dem konkreten Tod. An Ermordung ist nichts Sanftes. Nichts friedlich. Auch wenn Jesus der Überlieferung nach „haucht“ am Ende.

Und wir? Wir „trösten“ uns. Mit Auferstehungslauben und „Hoffnung“.

Verkaufen den Karfreitag für ein billiges Ostern.

Nein.

Nein.

Nein.

Karfreitag war real für uns.

Karfreitag ist.

Karfreitag war in dieser Nacht.

Und nicht Ostern.

Für einige, die Mitbehinderten, wird es für lange Zeit Karsamstag sein.

Grablegung.

Grabesruhe.

Vermissen.

Angst haben.

Not haben.

Klittern wir ihnen nicht UNSER Wohlfühl- und Todesneutralisationsostern um die Ohren, bevor wir auch ihr

Eli

Eli

Laba

Sabachtani

Mein

Gott

Mein

Gott

Warum

Hast

Du

Mich

Verlassen

Wahrgenommen haben. Ernst genommen haben.

Dann brauchen wir auch keine Klitterung mehr. Keinen Glaubenszuckerguss über die elende Welt.

Denn dann ist das Elend etwas, in dem Christus neben uns ist. Solidarisch und wissend. Nicht „schon überwindend“. Elend, am Kreuz. Leidend. Sterbend.

Und er hauchte seinen Geist aus.

Martina W.
Geboren 1990
Ermordet in ihrem Bett im Oberlinhaus am 28.4.2021

Christian S.
Geboren 1985
Ermordet in seinem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021

Lucille H.
Geboren 1978
Ermordet in ihrem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021

Andreas K.
Geboren 1964
Ermordet in seinem Bett im Oberlinhaus am 28.4 2021

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