Camouflaging und Maskieren

Nein, kein Tarnmuster. Wirklich nicht. Wenn wir über Autismus und autistische Überlebensmechanismen sprechen, fallen häufig Begriffe wie “Camouflaging” und “Maskieren”. Doch was bedeutet das überhaupt und wo ist der Unterschied?

Camouflaging

Das ist das mit dem Tarnmuster. Im sozialen Kontext meint es, dass autistische Menschen das Verhalten des Gegenüber spiegeln. Es werden Handbewegungen, Mimik, Gestik, Stimmlage und Stimmhöhe gespiegelt, um sich im kommunikativen Bedürfnis der anderen Person zu “tarnen”.

Dabei ist wichtig, dass es beim Camouflaging (das häufig unterbewusst passiert) nicht um eine bewusste Manipulation in Pick-Up-Artist-Style geht, sondern darum, sich aus Überforderung möglichst den kommunikativen Bedürfnissen der anderen Person anzupassen.

Das ist einerseits sehr anstrengend, weil es eben nicht das authentische Selbst in Gesprächen zeigen kann, sondern immer nur eine “getarnte” Version von sich und führt andererseits in Gruppenkontexten häufig zu Überforderung.

Stellt euch einfach mal ein Chamäleon vor, das in einer Gruppe versucht, sich allen Farben gleichzeitig anzupassen. Sieht psychodelisch aus und macht Kopfschmerzen. Genau.

Maskieren

Im Gegensatz zum Camouflaging geschieht Maskieren auf einer eher inhaltlichen und weniger körpersprachlichen Ebene. Hier geht es darum, in der Wahl der Themen, der Länge der Satzpausen, der Stellung der richtigen Fragen und der Wahl des “Skriptes” möglichst neurotypisch aufzutreten. Ein Skript ist hierbei eine Sammlung oder ein Ablauf an Gesprächsformaten, die in ähnlichen Situationen als “angemessen” abgespeichert wurden.

Das sorgt in Gesprächen dafür, dass dauerhaft die gegenwärtige Situation mit vergleichbaren Situationen der Vergangenheit abgeglichen und damals “adäquate” Verhaltensweisen eingesetzt werden.

Ein bisschen wie bei einem Computerspiel, bei dem es darum geht, die richtige Gesprächsoption zu wählen, damit am Ende die Quest gewonnen ist. (Ich liebe und hasse Baldurs Gate 3, weil es ist einfach ZU NAH an meinem Frust der Realität dran.)

Maskieren ist also z.B. der Verzicht auf Stimming, die richtigen Geräusche des Interesses, des Mitgefühls oder der Begeisterung zum richtigen Zeitpunkt, ein “passendes” Gesprächstheme für die andere Person (unter Berücksichtigung der entsprechenden Rolle und Hierachie und Bekanntheitsgrad des Gegenüber).

Fazit

Sowohl Maskieren als auch Camouflaging sind Überlebenstechniken, um negative Erfahrungen, Ablehnung und Diskriminierung zu vermeiden. Sie sind dabei aber gleichzeitig auch höchst anstrengend und können zu regelmäßiger, sozialer Überlastung führen. Wenn Menschen nie gelernt haben, zu maskieren, führt dies allerdings häufiger zu Ausschluss und Ablehnung, da ihr Autismus sichtbar ist.

Auch das Verlernen von Camouflaging und Maskieren fällt (gerade, wenn es jahrelang vorausgesetzt wurde) häufig erst einmal schwer.

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