Öffnet in einem neuen Tab

Autistischer Burnout

Wenn ein Burnout schon keine festgelegte Diagnose ist, was soll dann ein autistischer Burnout sein? Auch ein “autistischer Burnout” lässt sich nicht medizinisch diagnostizieren, das ist korrekt. Wenn allerdings sehr viele Menschen gleichzeitig von ähnlichen Erfahrungen berichten, dann ist es sinnvoll, sie sich einmal anzuschauen.

Autistischer Burnout vs. Burnout

Ein “normaler” Burnout bezeichnet einen Zustand andauernder und tiefer körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung aufgrund beruflicher oder anderweitiger Überlastung.¹

Ein autistischer Burnout entsteht dagegen aus einer langanhaltenden Überlastung aufgrund von sozialen Anforderungen und Erwartungen. Die Menschen, die am meisten über die Symptomatiken eines autistischen Burnouts berichten, sind jene, die am häufigsten aus dem Diagnostikraster fallen:

  1. Frauen
  2. nichtbinäre Personen
  3. hochmaskierende Menschen

“Hochmaskieren” bedeutet in diesem Fall, dass das eigene Maskieren so stark ausgeprägt ist, dass es wenig bis keine “echte” Kommunikation zwischen ihnen und ihrer Umwelt mehr gibt. Das Ergebnis kann eine dauerhafte Erschöpfung sowie eine Entfremdung von sich selbst sein, die langfristige Konsequenzen nach sich zieht.

Symptome

Durch die ohnehin vorhandene Überlastung vieler autistischer Menschen im Alltag kann es schwierig sein, Burnout-Symptomatiken von “normaler” Erfahrung abzugrenzen. Was bei neurotypischen Menschen möglicherweise bereits ein Warnsignal sein kann, ist bei uns häufig noch Teil unseres Alltags. Deshalb ist der erste, wichtige Schritt, sein eigenes “Normal” zu kennen.

Das eigene “Normal”

Durch unsere Neurodivergenz unterscheidet sich unser “Normal” von dem neurotypischer Menschen (und dem, was üblicherweise in die Symptomatik einbezogen wird). Situationen, die uns schwer fallen, ganz unabhängig vom Burnout, können sein:

  • Telefonieren
  • spontane Planänderungen
  • sozialer Kontakt
  • Treffen in öffentlichen Räumen
  • Partys und andere soziale Zusammenkünfte
  • Schlafen (viele autistische Menschen leiden unter Schlafstörungen)
  • Öffentliche Verkehrsmittel nutzen
  • Einkaufen
  • Hobbys nachgehen

Wir merken: Wenn es darum ginge, was grundsätzlich zu den Symptomatiken gehört, dann wären wir ohnehin immer im Burnout. Sind wir aber nicht (jaja, auch wenn es sich manchmal so anfühlt).

Die Veränderung

Relevant wird es vor allem dann, wenn sich am “eigenen Normal” etwas ändert: Wenn früher Telefonieren mit Skript funktionierte, jetzt aber gar nicht mehr. Wenn im Kalender die Termine durcheinanderrutschen, obwohl das vorher geklappt hat. Wenn Essen und Trinken als “zu vernachlässigend” eingestuft werden, obwohl vorher Listen und Alarme zuverlässig funktioniert hatten.

Und wenn das nicht nur einmal passiert, sondern regelmäßig, dann ist das dein persönliches Warnsignal.

Erschwerend kommen noch die üblichen Verdächtigen hinzu:

  • Konzentration fällt immer schwerer
  • Schlafstörungen nehmen zu
  • Gedankenspiralen vertiefen sich
  • Erschöpfung fühlt sich “knochentief” an
  • Ein Gefühl von Leere und Freudlosigkeit breitet sich aus
  • Meltdowns und Shutdowns nehmen zu

Was tun?

Wenn es erst einmal zum autistischen Burnout gekommen ist, hilft ein “Stop”. Das kann durch einen Aufenthalt in einer Klinik, durch Krankschreibung oder weitere “ich halte die Welt an, ich steig aus”-Möglichkeiten geschehen. Wenn das (aus finanziellen, organisatorischen oder pflegerischen) Gründen keine Option ist, kann auch eine Reduzierung von Reizen und Verantwortungen helfen. Was war der Moment, an dem das eigene “Normal” gekippt ist? Gab es gravierende Veränderungen? Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dir helfen können?

Was immer wieder berichtet wird (und nicht hilft), ist, sich selbst noch mehr Druck zu machen: Ich war jetzt so und so lange krank, ich MUSS doch endlich wieder funktionieren!

Autistisches “Funktionieren” in einer neuronormativen Welt ist nicht einfach. Und ohne entsprechende Anpassungen bei uns und unserer Umwelt ist ein autistischer Burnout die Konsequenz dieser Struktur.

Dieser Blogbeitrag ersetzt keine medizinische Beratung und ist kein therapeutisches Tool. Deshalb können wir hier nur an der Oberfläche kratzen und für Aufklärung sorgen.

Veranstaltungen zum Thema

Wir schreiben nicht nur Beiträge, wir haben auch Veranstaltungen! Hier gibt es drei passend zum Thema des Textes.

Dir sagt keine davon zu? Kein Problem! Unter Veranstaltungen findest du noch viel mehr. Und im Kalender kannst du sie dir passend zu deinen Terminen aussuchen. 

Consent Management Platform von Real Cookie Banner